ab 01.09.2019:

 

Wir schreiben das Jahr 2082.

 

Mit der Klimakatastrophe kam:

- zuerst die Dürre

- dann Hitze

- anschließend die Polkappenschmelze

- mit Überschwemmungen

- ein Anstieg des Meeresspiegels

Unterbrochen durch:

- Kriege

- Hungersnöte

- Wetterkatastrophen

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Die Weltbevölkerung schrumpft dramatisch.

 

Eine Nation entschließt sich, die Rettung der Menschheit zu versuchen. Indien erforscht die kalte Kernverschmelzung. Energieprobleme gehören der Vergangenheit an. Über ehemalige Grenzen hinweg sammelt Indien menschliche Ressourcen. Man verfolgt zwei Ziele:

a) Besiedlung des Mars

b) Expedition ins All - Suche nach Hilfe

 

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Begleiten Sie Captain Markus Fischer im ersten Bericht ,HOTHOUSE´, der mit zwei weiteren Männern und drei Frauen das große Wagnis eingeht, in den Tiefen des Kosmos nach intelligentem Leben und nach Hilfe für die Erde zu suchen. Die Crew hatte eher mit ihrem Tod gerechnet, als mit dem, was bald darauf geschah.

 

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Sie mögen die Neuland-Saga?

 

Dann werden Sie die neue Reihe: 

 

>> Das 2082-Projekt <<

 

lieben.  (ab 01.09.2019)

 

 

Harald Kaup

30.06.2019

 

Leseprobe:

 

Die komplette Leseprobe als PDF-Datei gibt es nach Zusendung einer Mail an:

 

2120adneuland@gmx.de

 

Einleitung

 

20.03.2082:

 

Yathavan Ansari stand am Fenster des obersten Stockwerkes der Indian Secret Space Organisation. Vom Top des riesigen Gebäudes waren es knapp 150 Meter bis zum Boden. Der unter strengster Geheimhaltung betriebene Komplex stand etwa 100 Kilometer südlich von Bangalore, der Hauptstadt des Bundeslandes Karnataka in Indien. Bei seiner Geburt, mittlerweile 74 Jahre her, hätte er niemals von hier bis zum Indischen Ozean schauen können. Konnte er heute auch nicht, denn es war draußen stockdunkel. Dabei war es gerade mal 14:25 Uhr. Die automatisch abdunkelnden Scheiben seines Büros waren zu 100% auf Durchsicht gestellt. Nur die Blitze des heftigen Gewitters wurden dank lichtschneller Technik nahezu ganz ausgeblendet. Falls mal gutes Wetter war, das war es nicht oft, konnte Yathavan Ansari den Grund seines Auftrags auch sehen (Blickrichtung Süden). Auf der von ihm gesehen linken Seite schaute er dann auf den Golf von Bengalen, und auf der anderen blickte er über das Arabische Meer - beide keine 50 Kilometer von ihm entfernt.

Und wieder blitzte es. Das Licht, was von den Scheiben durchgelassen wurde, erhellte das Gesicht eines hageren und vom Alter und Sorgen gezeichnete Gesicht eines typischen Inders. Die dunklen Augen sahen mit Wehmut aus dem Fenster, und er schien mehr zu sehen, als nur die Schwärze dort draußen. Er strich sich fast zärtlich mit einer Hand über den schütteren, grauen Haarkranz.

Ja, dachte er sich. Das Meer war zu ihnen gekommen. Die Erderwärmung der letzten Jahrzehnte hatte eine Entwicklung angefacht, die niemand mehr rückgängig machen konnte. Der schon in den 2010er-Jahren beschriebene Hothouse-Effekt hatte die Menschheit, neben anderen Dingen, heftiger getroffen, als es die größten Schwarzseher der Wissenschaften angenommen hatten - und vor allen Dingen nahezu unvorbereitet. Indien beherbergte damals fast 1,5 Milliarden Menschen. Heute lagen Schätzungen vor, die von wenigen Millionen ausgingen. So genau wusste es keiner, und wie viele davon noch echte Inder waren - auch nicht. Viele Menschen waren schon vor der Katastrophe nach Indien geflohen. Der Meeresspiegel hatte sich innerhalb eines Jahrzehnts um 75 (in Worten fünfundsiebzig) Meter angehoben! Natürlich mit Wetterunbilden, gegen die die damaligen Tornados laue Sommerwinde waren. Man sprach heute ganz selbstverständlich von Hypercanes mit Windgeschwindigkeiten jenseits der 800 Stundenkilometer. Die meisten Erdenbewohner, wenn sie nicht von Kriegen dahingerafft wor­den waren, ertranken oder sind verhungert, erfroren, vom Hagel erschlagen und so weiter, und so weiter. Es gab eine ganze Reihe außergewöhnlicher Todesursachen, die nur auf das Wetter zurückzuführen waren.

Und aus Indien war eine Insel geworden.

Die Anhebung des Meeresspiegels verkleinerte den Staat um mehr als 30%. Der Golf von Bengalen floss im Norden Indiens und verschlang unter anderem die Millionenstadt Kalkutta, überspülte Lucknow und vereinigte sich in Höhe Neu-Delhi mit dem Arabischen Meer, welches von der Westseite Indien vom asiatischen Kontinent abschnitt. Der Ganges war jetzt nur noch wenige Kilometer lang. Millionenstädte wie Mumbai (Bombay), Dwarka und Panaji, sowie viele andere, hatte Ya­tha­van Ansari in der Blüte seines Lebens noch erleben dürfen. Dabei: Mit der Blüte seines Lebens war das auch so eine Sache. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hatte er die Unumkehrbarkeit des weltlichen Chaos vorausgesehen und erkannt. Aus diesem Grunde hatte er es sich nicht gestattet, in eine Welt am Abgrund auch noch Kinder zu setzen. Daher erübrigte sich auch die Ausschau nach einem weiblichen Pendant. Er hatte zwar hier und da Gleichgesinnte des anderen Geschlechts gefunden, sich aber niemals gebunden. Yathavan Ansari war General der indischen Armee, und Sozialbeziehungen privater Art unter­hielt er nicht. Ihm kam zugute, dass er als Waisenkind von Hause aus schon auf sich allein gestellt war. So hatte er mental kein Problem damit. Trotzdem fühlte er sich dem gesamtmenschlichen Schicksal ver­pflichtet. Seiner harten Arbeit und der völligen Aufopferung für seine Aufgabe verdankte er auch, dass er in diesem Alter noch im Dienst war. Die indische Armee hatte genug Bewerbungen, gab es doch regelmäßiges Essen und ein funktionierendes Gesundheitssystem, um auch ihn durch einen Jüngeren zu ersetzen. Aber alle hatten sich an Yathavan Ansari gewöhnt - und das war wichtig, zumindest bei dieser Mission. Yathavan Ansari wohnte sogar in diesem Komplex und verließ ihn nur selten und ungern.

Indien hatte zu Beginn der Katastrophe die beste Ausgangslage gehabt. Allein daran kann man vielleicht erkennen, wie es in anderen Teilen der Welt aussehen musste: wenn bei guten Voraussetzungen nur etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung überlebt ...

Ein blühender Staat auf dem Weg nach ganz oben war Indien gewesen und eine Gruppe Wissenschaftler hatte vor dem Untergang noch eine bahnbrechende Erfindung hervorgebracht: die kalte und gefahrlose Kernverschmelzung. Daher gab es in Indien noch ein paar Millionen Menschen. Energie war keine Mangelware. Und man brauchte Energie in rauen Mengen. Klimatisierung, Gewächshäuser, Wohnkomplexe, größere Lebenshabitate - unter freiem Himmel war das Überleben jede Minute gefährdet - und so weiter und so weiter ...

Yathavan Ansari spürte ein leichtes Beben unter seinen Füßen. Sein heutiger Termin hatte sich jetzt schon verspätet. Kein Wunder, der Boden vibrierte nur, wenn die Windgeschwindigkeit draußen über 600km/h lag. Da war es eben schwierig, mit einem der schweren Gleiter in den unterirdischen Hangar einzufliegen. Aber sein heutiger Gast war nicht zu überreden gewesen, anstelle des persönlichen Besuchs die holografische Version zu nutzen. Der General drehte sich langsam und überprüfte mit kritischem Blick sein Büro. Viel zu kontrollieren gab es da nicht. Sein Büro war keilförmig, genau wie der gesamte Bau. Die Spitze zeigte genau nach Süden. In dem vierzig Quadratmeter großen Raum gab es natürlich eine Tür, zu zwei Seiten hin Fenster von Brüstungshöhe bis zur Decke, einen Besprechungstisch für bis zu einem Dutzend Personen und sein Schreibtisch mit allen erdenklichen Kommunikationsmitteln und ein teils sprachgesteuerter Hochleistungsrechner. Alles chic in Grau- und Metalltönen gehalten.

Yathavan Ansari drehte sich um und schritt zu seinem Schreibtisch. Seine Knie taten weh und er unterdrückte ein leichtes Stöhnen. Als junger Erwachsener hatte er noch angenommen, über eine Lebenserwartung von etwa 120 Jahren verfügen zu können - nun wusste er es besser. Auch die beste Technik konnte den Menschen nicht völlig von den schadhaften Umweltbedingungen abschotten. Er konnte, vielleicht, 80 Jahre alt werden. Aber das war im Moment völlig nebensächlich.

Mit diesen Gedanken hatte der Inder seinen Schreibtisch erreicht: „Aatma! Wann wird mein Besuch hier eintreffen?“ Ein sprachgesteuerter Hochleistungsrechner musste mit einem bestimmbaren Namen an­ge­sprochen werden, damit er reagierte. Yathavan Ansari hatte das Hindi-Wort für Geist ausgewählt.

Der Rechner antwortete mit sachlicher und weiblich gefärbter Stimme: „Der Sturm wird noch zwanzig Minuten andauern. Der Gleiter ist noch drei Flugminuten entfernt und wartet. Inklusive Landung und Dekontamination errechne ich eine Ankunftszeit von 40 Minuten.“

„Danke!“ Der General war im Grundprinzip ein sehr höflicher Mensch und daher bedankte er sich sogar bei einem Automaten für eine schlichte Auskunft. Es hätte auch nicht zu ihm gepasst, wenn er nichts dazu gesagt hätte. Es knackte leicht im rechten Knie, als sich der General auf seinen Platz setzte. Im Moment war alles getan und ihm blieb nur noch das Warten. Warten auf den Besuch und auf die nächsten vier Wochen. Seine Unterkunft hier im Hause war nicht größer als sein Büro und wie es sich für einen echten Asketen gehörte, war die private Räumlichkeit in etwa so gemütlich wie sein Büro. Nur hier war die Aussicht besser - wenn es denn eine gab.

 

40 Minuten später:

 

Aatma meldete die Ankunft des Besuchs. Yathavan Ansari stand auf, knöpfte seine Uniformjacke zu und stellte sich vor seinen Schreibtisch. Dann nahm er eine Haltung an, die irgendwo zwischen Respekt und Normalität liegen sollte. Schließlich brauchte er mit 55 Dienstjahren nicht im Staub kriechen: „Öffnen!“

Mit einem Zischen schob sich die Tür zur Seite und mit energischen Schritten betrat eine Frau, Mitte Dreißig, das Büro. Yathavan Ansari lächelte leicht. Von so einer Person hatte er als junger Mann nur träumen können. Tiefschwarze und lange Haare, zu einem flachen, auf dem Rücken liegenden Pferdeschwanz gebunden, große, dunkle und mandelförmige Augen, dunkler Teint (echte Inderin) und eine Traumfigur. Diese Frau rief eine Erinnerung in ihm hoch.

„Special General“, sagte die Frau mit wohlklingender Stimme und sah den Inder prüfend an.

„Gesandte - Willkommen“, antwortete Yathavan und machte neben einer kleinen Verbeugung eine einladende Armbewegung in Richtung seines Besprechungstisches. Während sie darauf zugingen, begann er mit einem kleinen Smalltalk: „Sie hatten keinen guten Flug, wie ich an­nehme, Gesandte?“

Abrupt blieb die Frau stehen und drehte sich zu ihm um: „Ehrlich, mein lieber Yathavan. Nur Ihre ruhige Art und Gelassenheit können mein derangiertes Nervenkostüm wieder auf die Reihe bringen!“

Yathavan Ansari lächelte, als er der Dame einen Stuhl heranrückte: „Ich freue mich, auch auf diese Weise dienlich sein zu können.“

Aufatmend ließ sich seine Besucherin in den Stuhl fallen.

„Vielleicht kann ich das Wohlbefinden schneller steigern? Chai-Tee, verehrte Abgesandte?“

Die Augen der Frau begannen zu leuchten: „Das haben Sie sich merken können, lieber General?“

„Die Wünsche einer Frau vergesse ich niemals“, bekannte der Inder.

„Sie sind ein Charmeur, mein Guter“, lachte die Besucherin.

Yathavan Ansari ging zu seinem Schreibtisch zurück und bestellte Chai-Tee und ein Glas Wasser. Bei seiner Besucherin handelte es sich um Anjana Malhotra. Offiziell war sie die Gesandte der indischen Regierung - offiziell. Tatsächlich stand sie in dem Ruf, den indischen Staatspräsidenten um den Finger wickeln zu können. Ob da mehr lief, war unbekannt und für den General auch uninteressant. Er hatte längst akzeptiert, dass seine schöne Besucherin die mächtigste Person im Staate war. Er tat also gut daran, sich ihres Wohlwollens zu versichern. Gleichzeitig war es dann auch ein Kompliment für ihn und seine Arbeit, dass ihn die Gesandte persönlich aufsuchte. Als der General wieder am Tisch saß, öffnete sich die Bürotür, und ein halbhohes Service-Tablet rollte bis zum Tisch. Der Mann servierte die Getränke.

Nachdem die ersten Schlucke getrunken waren, kam die Besucherin zum Thema: „Du hast deinen Leuten Urlaub gegeben?“

„Jeder sollte sich auf angemessene Art verabschieden können“, nickte der General ernst.

„Wir haben die letzten zwanzig Jahre Einiges unseres knappen Budgets in dieses Projekt gesteckt, General“, warf die Gesandte ein. „Ich hoffe, dass sie alle heile zurückkehren - vom Urlaub!“

„Das hoffe ich auch“, sagte der General leise. So sicher war das wirklich nicht. Er hatte zwar sein Möglichstes getan, um sechs Leute zu schützen, aber unter diesen Umständen ...

„Es sind die Besten, wie du mir erklärt hast. Ich, äh wir, wollen nicht die zweite Garde losschicken!“

Nun hat sie sich verraten, dachte der General mit einem Anflug von Humor. Selbstverständlich hatte er bei einem so epischen Programm einen Plan B, also Ersatzleute. Aber auch er würde seine erste Wahl losschicken wollen. Denn es gab ein Problem: Fiel einer aus, musste die ganze Truppe ausgetauscht werden. Schließlich waren die Teams aufeinander eingespielt. Nur im Notfall würde er von dieser Regelung abweichen.

„Der Start ist in drei Wochen“, erinnerte ihn die Gesandte.

„Sie werden da sein“, versicherte der General.

Die nächste halbe Stunde ging es um ein paar technische Details und der General wunderte sich, wie gut Anjana Malhotra unterrichtet war. Diese Frau musste eine unglaubliche Allgemeinbildung besitzen.

„Mein lieber General“, schloss Anjana dann die kleine Fragerunde ab: „Was tut mein geschätzter General nach dem Start?“

Yathavan Ansari atmete tief ein, stand auf und ging zu einem der Fenster. Auf dem Weg dorthin spürte er die Blicke der Frau in seinem Rücken. Zwei, drei Sekunden wartete er, als er, ohne etwas zu erkennen, in die Dunkelheit schaute. Schließlich antwortete er leise: „Dann ist mein irdischer Auftrag erledigt.“

„Du willst dein Leben beenden, Yathavan?“

Ohne sich umzudrehen, sagte er: „Ja, das will ich!“

In den letzten beiden Jahrzehnten war ein Selbstmord ein ehrenvoller Abgang von der Weltbühne geworden. Man ließ Ressourcen für andere Menschen übrig und zeigte so, dass man am Weiterbestehen der Menschheit interessiert war. Von der Gesandten kam wie erwartet auch kein Widerspruch: „Wie?“

„Ich gehe aufs Meer“, antwortete der General. Er hatte sich diese Todesart ausgesucht. Niemand, der ohne größeres und unsinkbares Equipment aufs Meer ging, kam jemals zurück. Hungrige hatten es mit Angeln und Netzen versucht - alle ohne Wiederkehr.

„Darf ich dein Abschied sein?“

Yathavan Ansari wirbelte ungläubig herum: „Du willst ...?“

Die Gesandte stand auf und sagte mit fester Stimme: „Ja, ich will. Als Zeichen meiner tiefen Verbundenheit mit dir und dem hohen Respekt, den ich deiner Arbeit zolle. Ich werde dein Abschied sein.“

Der General wirkte fassungslos. Es war üblich, beim rituellen Selbstmord einen Zeugen hinzuzuziehen. Man nannte ihn oder sie ‚Abschied‘. Er hätte nie zu hoffen gewagt, einen so hochgestellten Abschied zu erhalten. Er bedeutete Anjana Malhotra offensichtlich etwas.

„Ich fühle mich tief geehrt!“